Montag, 23. März 2015

Bürgerversammlung sammelt Argumente / Stadtrat in Kamenz soll im Juni beschließen!


Ein Pressebericht (SZ Kamenz) von der Einwohnerversammlung am 16. März 2015 in Kamenz

Richtet die Stadt Kamenz einen Bestattungswald ein? Voraussichtlich im Juni soll der Stadtrat darüber entscheiden, ob dieses Ziel weiter verfolgt wird. Eine Einwohnerversammlung diente vor Kurzem zunächst dazu, Argumente pro und contra Bestattungswald zu sammeln.

Georg Tietzen hat seine Entscheidung bereits getroffen. "Meine Frau und ich, wir wollen unsere letzte Ruhestätte in einem Bestattungswald finden", erklärte der Kamenzer in einer sehr persönlichen Rede an die zahlreich versammelten Kamenzer. Am liebsten, so Tietzen, in der Nähe von Kamenz – "das uns in der Zeit, in der wir jetzt schon hier leben, zur Heimat geworden ist". Notfalls aber auch woanders. Beispielsweise im brandenburgischen Fürstenwalde, wo es seit mehreren Jahren eine solche Einrichtung gibt. Die hat Georg Tietzen bereits zweimal besucht – einmal mit der Bürgerinitiative "Bestattungswald Kamenz", dann mit seiner Frau und den erwachsenen Kindern. "Diese leben weit von Kamenz entfernt. An eine regelmäßige Grabpflege ist da nicht zu denken." Ihm selbst gefalle der Gedanke, die letzte Ruhe am Fuße eines zuvor selbst ausgewählten Baumes zu finden – "schließlich liebe ich die Natur und besonders den Wald sehr".

So wie Georg Tietzen denken viele Kamenzer, die sich in der von der Landtagsabgeordneten Marion Junge (Die Linke) initiierten Bürgerinitiative "Bestattungswald Kamenz" zusammengefunden haben. Mit 920 Unterschriften übertraf die Initiative die für die Einberufung einer Bürgerversammlung erforderliche Zahl deutlich. Doch es gibt beileibe nicht nur Befürworter. Friedhofsgärtner Jörg Händler beispielsweise verweist darauf, dass die Grabpflege "für viele Menschen eine wichtige Form der Trauerarbeit ist". Der evangelisch-lutherische Pfarrer Michael Gärtner verweist darauf, dass auch auf einem herkömmlichen Friedhof die Bestattung an einem Baum möglich sei. Überhaupt sei ein Friedhof "ein Stück Natur mitten in der Stadt oder im Dorf. Er holt genau das in die Stadt, was der Friedwald außerhalb zu bieten vermeint." Sein Amtskollege Jörg Naumann sieht auch praktische Probleme: " Wie kommen Menschen, die nur eingeschränkt mobil sind, dorthin? " Schließlich hätten Friedhöfe eine wichtige gesellschaftliche Funktion als Ort des Gedenkens und der Begegnung.

Letzteres sehen die Befürworter allerdings auch beim Bestattungswald gegeben. "Diese Bestattungsform ist keineswegs anonym. Eine Plakette, die an dem jeweiligen Baum angebracht wird, trägt den Namen des Verstorbenen und kann darüber hinaus frei gestaltet werden", versichert Helge Hedtke von der Friedwald GmbH, einem von deutschlandweit zwei Anbietern von Waldbestattungen. Zudem stehe ein Andachtsplatz zur Verfügung. Die Beisetzungen könnten ganz nach Wunsch religiös oder weltlich gestaltet werden. "Viele Landeskirchen stehen den Bestattungswäldern positiv gegenüber", so Hedtke.

Dass in Kamenz überhaupt darüber diskutiert werden kann, ist dem Umstand zu verdanken, dass der Freistaat Sachsen als letztes Bundesland jetzt auch die gesetzlichen Grundlagen für diese Bestattungsform geschaffen hat. In Bennewitz (Leipziger Land) befindet sich der erste sächsische Bestattungswald in der Errichtung, Kamenz könnte der zweite werden. Allerdings hat die Prüfung der infrage kommenden Waldflächen ergeben, dass sich die nächstgelegene zwischen Reichenau und Gräfenhain – auf dem Gebiet der Gemeinde Haselbachtal – befindet. "Dieser Wald ist zwar im Besitz der Stadt Kamenz, dennoch brauchen wir das Einvernehmen mit der Gemeinde", so Ordnungsdezernentin Elvira Schirack. Im Juni sollen die Stadträte entscheiden, ob der Weg weiter verfolgt wird.


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